„In physischer Hinsicht zeichnen sich die Fischländer, besonders das männliche Geschlecht, durch hohen Wuchs, starken Körperbau und große Mäßigkeit in Genüssen, vorteilhaft aus. Selbst der vermögende Schiffer nimmt mit einem Gericht Kartoffeln und Fische zu Mittag, mit Thee und Butterbrot zu Abend verlieb, und nur bei Vertheilungen der Schifferparten=Einkünfte wird ein Glas Punsch oder Wein getrunken. Es gibt jetzt auf ganz Fischland keinen Trunkenbold.
Seefahrt allein ist auf Fischland Prinzip des Lebens. Jeder Knabe, der nicht ungesund oder gebrechlich ist, geht, sobald er ein Reem (Bootsruder) regieren kann, als Kajütenwärter, später als Jungmann, Matrose oder Steuermann zur See, und das erste Ziel seines Strebens ist – ein Schiffspart, das zweite – ein Schiff, oder mindestens eine eigentümliche Wohnung, denn Mietwohnungen gibt es hier nicht, und das dritte, aber in der Regel erst nach zurückgelegtem 30sten Jahr, – eine Frau.
Was der Jungmann, Matrose, Steuermann und Schiffer an barem Gelde erübrigt, wird zur Erwerbung eines Schiffsparts bestimmt. Mehrere Glieder einer Familie schießen ihre kleine Summen zusammen, um ¹⁄₁₂₈, ¹⁄₆₄, ¹⁄₃₂ oder ¹⁄₁₆ Part in einem Schiffe rheden zu können; aber auf solche Weise geschieht es auch, daß selbst Familien, welche zu Schiffsantheilen mehr als 5 – 6000 Thaler verwendet haben, ihres Lebens selten froh werden.
Sobald die See vom Eise frei wird, sind die Männer, Söhne und das ganze Vermögen dem ungewissen Elemente anvertraut (unter Assekuranz {traditionelle Ausdruck für Versicherungswirtschaft} fahren die fischländer Schiffer nicht), und so setzt jeder Sturm die zurückbleibenden Frauen, Eltern und Kinder der größten Besorgnis aus.
Ja, im Allgemeinen leben selbst vermögende Familien auf eine armselige Weise, indem ihre Einkünfte aus den Schiffsparten immer wieder zu neuen Parten verwendet werden, die dann nicht selten schon nach einigen Jahren ein Raub der Wellen sind.
Die ersten kleinen Schiffe (Jachten) wurden vor etwa 60 Jahren von Ewald Dade und Ewald Niemann gefahren und gingen nur bis Stralsund und Kopenhagen. Um diese Zeit besaß das Dorf Althagen in einem Schullehrer Namens Cyrus ein Mann, der sich um die Aufnahme der fischländischen Schifffahrt hoch verdient gemacht und durch den Unterricht in den Wissenschaften, deren die Söhne der Kossaten {Dorfbewohner, die ein kleines Haus (Kate/Kotten)} notwendig bedurften, um mit größeren Schiffen die Ost- und Nordsee befahren zu können, die Unternehmungen dieser Leute, und so entstand ein Schiff nach dem anderen.
Jetzt gibt es, wie ich schon bemerkt habe, 96 fischländer Schiffe, die in Rücksicht ihrer Bauart und Bemannung mit denen aller fahrenden Nationen wetteifern, und ihre Navigationslehrer sind tüchtig genug; einem derselben wurde von unserem Großherzog die silberne Verdienst=Medaille verliehen. Bei alledem sehen doch die Fischländer einer traurigen Zukunft entgegen. Ihre blühende Schifffahrt ist, wie alles, dem Wechsel unterworfen und dürfte bereits die höchste Stufe erreicht haben. Durch Englands Prohibitionsystem ist der Verkehr mit dieser Nation schon sehr gesunken.
Die Hauptfahrt der Fischländer ist größtentheils auf Reisen zwischen russischen und niederländischen Häfen beschränkt, und bei dem Bestreben der russischen Regierung zur Vervollkommnung der eigenen Schifffahrt dürfte auch diese Quelle der Nahrung bald versiegen. Zu künftiger Vermehrung der Schiffe, in Verhältnis zur Vermehrung ihrer Seeleute, ist den Bewohnern Fischlands schon jetzt die Hoffnung genommen, und die Heuer (Monatsgage) ihrer Matrosen ist so gesunken, daß ein Matrose, selbst bei glücklicher Fahrt und der allersparsamsten Lebensweise, seine Familie damit kaum durchzubringen vermag.
Die jährliche dreifache außerordentliche Kontribution {Zwangsgeldzahlung} allein beträgt circa 1700 Rthlr.
Die Ausübung eines in See gehenden Schiffes kann man im Durchschnitt zu 400 Rthlr. annehmen,
macht für 96 Schiffe = 38,400 Rthlr.
die Heuer des Schiffers und seines Volkes beträgt etwa eben so viel, also = 38.400 Rthlr.
der Verdienst der Rhederei im Durchschnitt 300 Rthlr.
à Schiff, mithin = 28.800 Rthlr.
Und so kommt jährlich eine reine Einnahme auf von = 106.600 Rthlr.“
In Rostock befand sich zu dieser Zeit der bedeutendste Handelsplatz an der Küste Mecklenburgs. Dort existierte seit 1848 eine Accise-Rolle, die nicht nur ausländische Schiffe begünstigte, sondern auch die Rostocker Schiffe selbst. Weitere Privilegien genossen sie beim Sundzoll. Andere Städte verfügten über ein Grenzsteuersystem, auf das die Rostocker ebenfalls verzichteten. Um die Nationalität eines mecklenburgischen Schiffes führen zu können, musste dieses im Besitz eines mecklenburgischen Untertans sein und der Kapitän ein Mecklenburger.
1847 waren in Rostock 249 Schiffe mit 20.640 Lasten gemeldet. 76 davon befanden sich im Eigentum Rostocker Schiffer oder Kaufleuten, 173 führten die mecklenburgische Flagge.
Barken: 6
Briggen: 123
Schooner-Briggen: 25
Schooner: 13
Galeassen: 68
Hucker-Galeassen: 4
Hucker: 2
Unter den oben genannten Fahrzeugen waren auch 2 Grönlandfahrer.
Das Fregattschiff (Vollschiff): Führt eine vollständige Fregatt-Takelage, ist eines der schwersten Schiffe in der Handelsmarine, an 3 Masten befinden sich die Rahstangen mit dem entsprechenden Segelwerk, die Größe (Tonnage) ist nicht definiert.
Das Barkschiff: Hat ebenfalls 3 Masten und die Fregatt-Takelage, jedoch nur an den beiden vorderen Masten; der achtere Mast ist nur mit Besan und Gaffeltoppsegel ausgestattet; die Größe liegt bei 100 bis 250 C.L. Tragfähigkeit.
Die Brigg: Ist ein zweimastiges Fahrzeug von 50 bis 180 C.L. Tragfähigkeit; Rahsegel werden an beiden Masten gefahren, der achtere trägt zusätzlich noch ein Gaffelsegel; die Brigantine hat ihren Ursprung in den südeuropäischen Ländern, gehört aber zu den Briggen.
Der Schooner: Die Tragfähigkeit liegt bei 36 bis 80 C.L., ist in der Regel ein zweimastiges Fahrzeug, in seiner Konstruktion ist er scharf geschnitten und die beiden Masten werden nach achtern getrimmt, die Gaffelsegel sind sehr groß – daher auch Schoonersegel genannt.
Die Galeasse und die Galliot: Besitzen zwei Masten; statt des Bugspriets, welches bei den vorher genannten Schiffen verbaut ist, finden wir hier den Ausleger oder Jagerbaum; die Tragfähigkeit liegt zwischen 12 bis 100 C.L.; sonst sind Bauart und Takelage dem Schooner sehr nah; ein markanter Unterschied zwischen Galeasse und Galliot liegt in der Konstruktion des Hecks: Galeasse – glatter Spiegel, Galliot rundgattige Bauart.
Die Kuffe: Fahrzeuge mit einer Schooner-Takelage, ihre Tragfähigkeit liegt bei 20 bis 80 C.L.; der Schiffsrumpf ist bauchig, die Masten sind aufrecht stehender als beim Schooner; der Schiffsrumpf hat den Vorteil einer größeren Räumlichkeit und eines besseren Aufsitzens, der Nachteil dabei ist eine geringere Steifheit und Steuerfähigkeit im Vergleich zum Schooner.
Nach Recherche im Internet konnte ein Vergleich der Währungen bezogen auf den Kaufkraftwert eines Reichstalers zum heutigen Kaufkraftwert zu Euro hergestellt werden. 1 Rthlr entspricht zirka 50 – 100€.
Abkürzungen und deren Bedeutung:
Rthlr. – Reich(s)taler, Ggr. – Guter Groschen (1/24 des Reich(s)talers), Pf – Pfennig
Original dem Buch entnommen[Einzelnachweis]
Je weiter es nach Westen ging, um so höher lagen die Preise der Baukosten.
Die Monatsheuer in Rthlrn. liegt bei:
Kapitän:
66 Rthlr. 16 Ggr, nebst 5 pCt. (%) Tafelgeld und 2 ½ pCT. (%) von der Fracht
1. Steuermann : 40 Rthlr.
2. Steuermann: 30 Rthlr.
Zimmermann: 33 Rthlr. 8 Ggr.
Bootsmann: 20 Rthlr.
Koch: 20 Rthlr.
Steward: 20 Rthlr.
Matrosen: 13 Rthlr. 8 Ggr.
Erster Steuermann: 15 Rthlr. 18 Ggr.
Zweiter Steuermann: 10 Rthlr. 12 Ggr.
Zimmermann:11 Rthlr. 6 Ggr.
schwerer Matrose: 9 Rthlr.
Koch: 8 Rthlr. 6 Ggr.
Leichtmatrose: 7 Rthlr. 12 Ggr.
Jungmann: 6 Rthlr.
Junge: 3 Rthlr. 18 Ggr
Kapitän: 30 Rthlr.
Erster Steuermann: 18 Rthlr. 8 Ggr.
Zweiter Steuermann: 14 Rthlr.
Zimmermann: 14 Rthlr.
Koch: 11 Rthlr. 8 Ggr.
Schwer Matrose: 9 Rthlr. 8 Ggr.
Jungmatrose: 7 Rthlr.
Schiffsjunge: 4 Rthlr. 16 Ggr.
Der Kapitän bekommt außerdem Caplaken, 3 bis 5 pCt. (%) von der Frachtsumme.
Eines hannoverschen Schiffes via England nach dem La Plata-Fusse und retour für die trockene Häute 5 £ 17 sh. (Shilling) 6 d. (Pence) und 5 pCt. (%) pr. Ton, und im Falle der Versegelung nach Rio de Janeiro für Kaffee 4 £ und 5 pCt. (%) pr. Ton.
Eines dänischen Schiffes via Hartlepool nach St. Thomas in Westindien und von Cuba retour für Rohzucker 3 £ 10 sh. und 5 pCt. Pr. Ton.
Von Lissabon: Preußischer Schooner von 54 C.L. (Kubik-Lasten) mit Wein, Korkholz, Elefantenzähne, Gummi, Feigen u.s.w. Fracht Bio. Summe 2289 £ 8 sh. – Reise vom 21. October bis 11. November, also 21 Tage.
Das Vorangeschriebene widerspiegelt, welche Waren in der europäischen Fahrt verschifft wurden. Fahrzeuge wie Briggen, Schooner, Galeassen und Kuffen kamen hier vorzugsweise zum Einsatz.