Schifferexamen

Ein über die Schifffahrtsverhältnisse erwähntes Schreiben - aus dem Jahre 1764 herzitiert:

„Viele von Ihnen (den Einwohnern Fischlands) bauen sich compagnienweise kleine und mittelmäßige Fahrzeuge und begnügen sich nicht, auf die Küste der Ostsee bis nach Rußland, Preußen, Schweden und Dänemark zu trafiquiren; sie gehen nicht selten durch den Sund in die Nordsee nach Holland.“

Erstellung eines Wechsel - aus dem Schifferexamen.
Erstellung eines Wechsels aus dem Schifferexamen von Gustav Waldmann
Erklärung eines Wechsel aus dem Schifferexamen Gustav Waldmann
Erstellung eines Wechsels aus dem Schifferexamen von Gustav Waldmann

So lassen sich Rückschlüsse auf die Entstehung des Reedereiwesens auf dem Fischland ziehen. Anfänglich lag das Eigentumsrecht der Schiffe auf den Mitgliedern der Schifferfamilien. Sobald der Schiffer sich entschied größere Reisen zu machen, schloss er sich einem Rostocker Kaufmann an. Dieser besorgte damals sogenannte

„Tratten“

(Eine Tratte ist im kaufmännischen Sinne ein gezogener Wechsel, der vom Bezogenen (Trassat) noch nicht durch Unterschrift (Akzept) angenommen wurde. Sie dient als Instrument zur Finanzierung, Sicherung oder Zahlung im Handel, oft im Auslandsgeschäft, und verbrieft die Forderung des Ausstellers (Trabant) auf Zahlung eines bestimmten Betrags.) und

„Rimessen“

(Eine Rimesse bezeichnet im kaufmännischen Kontext hauptsächlich einen eingereichten Wechsel. Im weiteren Sinne umfasst der Begriff auch die Weitergabe von Wechseln zur Begleichung von Verbindlichkeiten oder Geldüberweisungen im internationalen Zahlungsverkehr.).

Schiffspapiere

Für die Verwaltung der übrigen Schiffsangelegenheiten stand der Schiffer selbstverantwortlich ein. Durch die Weiterentwicklung der Schiffe, sprich Größe, konnten die Schifferfamilien diese Fahrzeuge nicht mehr eigens finanzieren, so entstanden die Partenreedereien, die sich aus Korrespondenten, Baumeistern, Schiffshandwerker, begüterten Leuten aus dem Umland zusammenschlossen, welche ihr Kapital in den Erwerb des Schiffes einbrachten. Durch die neu geschaffenen Möglichkeiten, waren die Fischländer auf allen Kontinenten anzutreffen.

Erklärung der Schiffspapiere - Schifferexamen von Gustav Waldmann
Schiffspapiere - Schifferexamen Gustav Waldmann
Was ist ein Debet - Schifferexamen Gustav Waldmann
Was ist ein Debet - Schifferexamen Gustav Waldmann

Um all das zu beherrschen, bedurfte es eines bestanden Schifferexamens, das dem Schiffer nicht nur das Führen seines Schiffes, sondern auch die Fähigkeiten eines Kaufmannes bescheinigte. Wie zum Beispiel schon oben erwähnt der Umgang mit Tratten und Rimessen.

Bevor die Ausbildung in der 1846 auf dem Fischland eingeweihten Seefahrtschule aufgenommen wurde, erfolgte der Unterricht über die Wintermonate in Wustrow und Althagen. Zu dieser Zeit lagen die Segelschiffe im Hafen von Rostock auf.

Bedeutende Lehrer zu dieser Zeit waren in Althagen der Dorfschulmeister Johann Cyrus und in Wustrow der Steuermann Nicolaus Permin und A. C. Galle.

Was beinhaltete ein Schifferexamen

Nachfolgenden wird der Umfang solch eines Examen verdeutlicht. Wie man schon oben an den Bildern erkennen kann, ist es komplett in Sütterlin geschrieben. Für den Leser wurde es aber übersetzt. Die Bilder beziehen sich auf die Originalseiten.